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Quelle: PsychPress Dezember 2007
Hoher Anteil somatoformer Störungen
Obwohl jedermann weiss, dass der Mensch aus Körper und Psyche besteht, wird der Erkrankung des ersteren viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt und sie wird auch vom Patienten viel eher akzeptiert, als wenn der Arzt eine psychische Komponente bei der Entstehung der Beschwerden ins Spiel bringt. Man spricht von einem überwiegend somatischen Krankheitsverständnis. Dabei wird viel zu wenig bedacht, dass psychische Krankheiten körperliche Störungen hervorrufen oder verstärken können und umgekehrt. Weil der Patient beim Arztbesuch vorrangig körperliche Störungen präsentiert, erfolgt die Diagnose einer psychischen Verursachung oft spät im Krankheitsverlauf, bei einem Teil der Patienten durchschnittlich erst nach sechs bis neun Jahren. In dieser Zeit ist die zugrunde liegende Krankheit längst chronisch geworden. Selbst wenn der Patient jetzt noch zu einer psychotherapeutischen Behandlung motiviert werden kann, so kann diese die Beschwerden kaum bessern. Wie ein Artikel in der Zeitschrift "PPmP Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) berichtet, können für die stationäre Klientel, die durch die besondere Schwere und Chronizität gekennzeichnet ist, an verschiedenen Kliniken Konsiliarärzte und -psychologen zur diagnostischen Beurteilung von Patienten mit unklaren Störungen hinzugezogen werden. Ihnen obliegt die schwierige Aufgabe, Patienten mit einem vorwiegend somatischen Krankheitsverständnis zu einer adäquaten psychosomatischen Therapie zu motivieren. Informationen über die Zielsetzung einer psychotherapeutischen Behandlung sowie über Wege der Suche nach einem Therapieplatz sind die wesentlichsten Elemente des konsiliarärztlichen Beratungsgesprächs. Aber nur die Hälfte der Patienten folgt der Empfehlung für eine ambulante Psychotherapie.
Somatoforme Störungen, bei denen psychische Störungen in körperlichen Beschwerden ihren Ausdruck finden, sind von großer klinischer und gesundheitsökonomischer Bedeutung. Charakteristikum ist die wiederholte Dar¬bietung körperlicher Symptome in Verbindung mit hartnäckigen Forderungen nach medizinischen Untersuchungen trotz wiederholter negativer Ergebnisse und Versicherung der Ärzte, dass die Symptome nicht körperlich begründbar sind. Während sich der Anteil dieser Patienten beim Hausarzt auf zwanzig bis fünfzig Prozent beläuft, rechnen die Allgemeinkrankenhäuser mit 15bis 25Prozent. Die Kosten für die Behandlung dieser Patientengruppe sind hoch, ebenso das Risiko einer Verschlechterung der Symptome nach Krankenhausentlassung. Aus diesen Befunden ergibt sich zum wiederholten Male die Notwendigkeit zur Verbesserung diagnostischer und therapeutischer Strategien bei diesen Patienten mit ausgeprägten somatoformen Beschwerden. Die Patienten sollten schon in der Klinik zur ambulanten Psychotherapie motiviert werden.
Was folgt der Diagnose einer somatoformen Störung? PPmP Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie 2007; 57; Nr. 12; S. 462-468. Dr. med. Isa Sammet, Innere Medizin IV, Universität Tübingen. isa.sammet@med.uni-tuebingen.de
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