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Frank Schindowski
Heilpraktiker (Psychotherapie)

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Quelle: PsychPress Januar 2008


Psychische Erkrankungen nehmen zu


Im Gegensatz zu körperlichen Erkrankungen haben psychische Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren als Ursache für Krankschreibungen deutlich zugenommen. Ein ähnlicher Trend ist auch bei den Frühberentungen zu beobachten: Immer weniger Personen müssen wegen somatischer Krankheiten vorzeitig berentet werden, während psychische Erkrankungen als Grund für Frühberentung deutlich zugenommen haben. Betrug der prozentuale Anteil der psychisch Erkrankten an den Erwerbsunfähigkeitsrenten 1983 knapp zehn Prozent, so liegt er heute bei 40 Prozent für Frauen und knapp 30 Prozent für Männer. Die Studie "Global Burden of Disease" konstatiert in diesem Zusammenhang: In Deutschland und anderen westlichen Ländern ist die Entwicklung der Krankheitslast in den letzten Jahrzehnten charakterisiert durch eine Abnahme der Mortalität in der Bevölkerung bei gleichzeitiger Zunahme der Morbidität. Dabei stellt sich die Frage, ob psychische Erkrankungen tatsächlich häufiger geworden sind, oder ob hier andere Faktoren eine Rolle spielen. Ein Editorial in der Zeitschrift "Psychiatrie und Psychotherapie up2date" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) gibt zu bedenken, dass beispielsweise häufigere Krankschreibungen auch mit einem offeneren Umgang mit psychischen Störungen zusammenhängen könnten. Die gestiegene Anzahl der Berentungen aufgrund psychischer Erkrankungen könnte auch eine Folge des gestiegenen Leistungsdrucks unserer Gesellschaft sein. In einer Welt, in der immer mehr Leistung gefordert wird, immer schneller und effektiver gearbeitet werden muss, dürfte es für psychisch Erkrankte immer schwieriger werden, in der Arbeitswelt zu bestehen. Das Problem ist nicht so leicht zu lösen, weil sich die Methodik früherer epidemiologischer Untersuchungen kaum mit modernen epidemiologischen Erhebungen vergleichen lässt.

Klar ist jedoch, dass die sozioökonomische Bedeutung psychischer Erkrankungen in den vergangenen Jahrzehn¬ten deutlich zugenommen hat und vermutlich weiter zunehmen wird. Daher sollten Psychologie und Psychiatrie in allen Bereichen gestärkt werden. Es darf bezweifelt werden, ob die Aus-, Fort- und Weiterbildung in Diagnostik und Therapie psychischer Erkrankungen in Relation zu anderen medizinischen Fächern ausreichend gewichtet ist. Auch eine verstärkte Förderung der Forschung auf diesen Gebieten erscheint dringend erforderlich. Von besonderem Interesse wird dabei die Früherkennung und Prävention sein. Dabei ist auch die Honorarstruktur zu überdenken. Schließlich müsste auch das Gespür somatischer Mediziner für psychische Verursachung bestimmter Beschwerden geschärft werden.

Nehmen psychische Erkrankungen in unserer Gesellschaft zu?
Psychiatrie und Psychotherapie up2date 2007; 1; Nr. 6; S. 385-386
Prof. Dr. Ulrich Vorderholzer, Abt. Psychiatrie und Psychotherapie. ulrich.vorderholzer@uniklinik-freiburg.de

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